In der Pflege geht es um mehr als nur die medizinische Versorgung von Menschen. Es geht darum, die Welt mit den Augen derer zu sehen, die wir pflegen. Unsere Auszubildenden haben sich im Unterricht u. a. intensiv mit der Erkenntnistheorie des Konstruktivismus auseinandergesetzt.
Der Konstruktivismus lehrt uns: Es gibt nicht die eine, objektive Wirklichkeit. Jeder Mensch konstruiert seine eigene Realität basierend auf persönlichen Erfahrungen, Gefühlen und Prägungen. Was für die eine Pflegekraft „spätes Aufstehen“ bedeutet (zum Beispiel 8:00 Uhr morgens), kann für einen Patienten oder Bewohner, der sein Leben lang Langschläfer war, mitten in der Nacht sein.
Um diese Theorie greifbar zu machen, nutzten die Auszubildenden eine einfache, aber effektive Methode: Sie blickten nacheinander durch denselben Bilderrahmen. Danach besprachen sie gemeinsam das Gesehene. Das Ergebnis? Trotz desselben Ausschnitts sah jeder etwas anderes, setzte andere Schwerpunkte und verknüpfte das Gesehene mit eigenen Assoziationen.
Das Ziel des Unterrichts ist es, die Fähigkeit zur Empathie zu schärfen. Als Pflegefachkräfte müssen sie lernen:
- Die „pflegerisch-medizinische Brille“ aufzubehalten, um professionelle Sicherheit zu garantieren.
- Gleichzeitig die „Brille des Patienten“ aufzusetzen, um seine individuellen Bedürfnisse und seine Lebensrealität zu verstehen.
Nur wer erkennt, wie seine eigene „Brille“ (die eigenen Werte, Sozialisation und Gewohnheiten) gefärbt ist, kann den Bedürfnissen der Menschen wirklich gerecht werden.
Ein großes Dankeschön an unsere Azubis für die Offenheit und den spannenden Austausch




